Sayh al Uhaymir (SaU) 169
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Überblick

Die mit den verschiedenen Methoden gewonnenen Daten erlauben eine ziemlich detaillierte Rekonstruktion der Geschichte unseres Mondmeteoriten:

Mondbild click

(I) Imbrium Impakt
Die chemischen Daten zeigen, dass die Impakt-Schmelzbrekzie, das Hauptgestein des Meteoriten SaU 169 durch den Imbrium Impakt produziert wurde. Dabei entstand auf der Mondoberfläche ein Krater mit einem Durchmesser von 1160 km. Aufgrund der Gesteinssammlung des Apollo-Projektes und der Fernerkundung durch den Satelliten Lunar Prospector ist bekannt, dass thoriumreiche Gesteine nur ums Imbriumbecken vorkommen. Wegen den hohen Gehalten an Kalium (K), Seltenen Erden Elementen (REE) und Phosphor (P) werden solche Gesteine als KREEP-Gesteine oder als Gesteine mit hohem KREEP Anteil bezeichnet. Unsere genaue Datierung auf 3909 ± 13 Millionen Jahre wurde mittels der Bei-Blei Methode an Zirkon gewonnen. Wir glauben, dass diese Datierung das genaueste Alter für die Entstehung des Imbrium Beckens auf dem Mond ist.

(II) Kraterbildung auf dem Mond
Datierungen basierend auf dem Zerfall von Kalium zu Argon in Kombination mit den petrographischen Resultaten (geschockte Feldspäte) zeigen, dass die verfestigte Impakt Schmelzbrekzie, die durch den Imbrium Impakt vor etwa 3900 Millionen Jahren entstanden war, 1100 Millionen Jahre später (also vor etwa 2800 Millionen Jahren) erneut durch einen Impakt geschockt wurde. Dieser Schock wurde durch einen erneuten, relativ heftigen Meteoriteneinschlag verursacht. Dabei wurde ein Stück der Imbrium Schmelzbrekzie aus einiger Tiefe herausgebrochen, weggeschleudert und an einer anderen Stelle wieder abgelagert und mit lunarem Regolithmaterial (Mondboden) bedeckt. Der Regolithanteil unseres Mondmeteoriten Sau 169 enthält Informationen über die Geschichte des Meteoriten, als er sich im Mondbodenbereich befand. Im Meteoriten können aufgrund der petrographischen Beobachtungen ein älterer und ein jüngerer Regolith unterschieden werden. Der ältere Regolith enthält vulkanische und plutonische Gesteinsbruchstücke, der jüngere Regolith zudem Glasscherben und Glaskügelchen, wie sie auch bei den Apollomissionen gesammelt wurden. Die Edelgasanalysen zeigen, dass der jüngere Regolith auch eine Sonnenwindkomponente enthält, was heisst, dass Teile davon einmal unmittelbar an der Mondoberfläche lagen. Edelgasanalysen beweisen zudem, dass der Meteorit während etwa 200 Millionen Jahren in einer Tiefe von wenigen Dezimetern lag. Daraus folgt:

- Umlagerung aus der Tiefe in den Mondbodenbereich vor etwa 2800 Millionen Jahren.
- Verweilen in dieser Position von 2800 Millionen Jahren an bis 200 Millionen Jahre.
- Ein weiterer Impakt befördert das Gestein vor etwa 200 Millionen Jahren in eine neue Position nahe der Mondoberfläche

(III) Auswurf vom Mond
Die regionale Verteilung der Elemente Eisen, Titan und Thorium in den Gesteinen an der Mondoberfläche ist von den Fernerkundungsprogrammen der NASA her bekannt. Unsere chemischen Analysen des Regolithen lassen sich deshalb direkt mit den Fernerkundungsdaten vergleichen. Thoriumreiches Material mit vergleichbaren Elementverhältnissen, wie wir sie für SaU 169 bestimmt haben, kommt nur in der Umgebung der beiden Krater Aristillus und Lalande vor. Nehmen wir unsere Altersdatierung zusätzlich als einschränkenden Faktor dazu, dann kommt nur noch die Lalande-Umgebung in Frage, da dieser ungefähr 2800 Millionen Jahre alt ist und ein anderer Krater in der Nähe auf etwa 200 Millionen Jahre Alter geschätzt wird. Diese beiden Alter entsprechen den Schockaltern unseres Meteoriten. Ist es sogar möglich, den Krater zu finden von welchem aus das Gestein ins Weltall geschleudert wurde? Man nimmt an, dass der Durchmesser eines Impakt Kraters, von dem aus Material ins Weltall geschleudert wird, ein paar Kilometer beträgt. Beryllium Isotopendaten zeigen weiter, dass dieser Auswurf vor weniger als 340'000 Jahren stattfand. Krater diesen Alters sind geologisch gesehen jung und aufgrund ihrer Helligkeit auf der Mondoberfläche relativ leicht erkennbar. Um solche Krater zu suchen haben wir detaillierte Photos der Mondoberfläche aus den Bilddatenbanken der NASA herausgesucht und fanden heraus, dass ein junger, 3km grosser Krater ungefähr 70 km NNE von Lalande vorhanden ist. Dies ist somit das erste Mal, dass die Herkunft eines Meteoriten auf solch einen kleinen Bereich eines Himmelskörper eingeschränkt werden kann.

(IV) Ankunft auf der Erde
Nach dem Auswurf vom Mond umkreiste der Gesteinsbrocken für lange Zeit (etwa 1/3 Millionen Jahre) die Erde oder die Sonne, bis er schliesslich vom Schwerefeld der Erde angezogen wurde. Der Gesteinsbrocken fiel dann als Feuerball (ein Meteorit verursacht immer deutlich mehr Spektakel als eine Sternschnuppe) vor weniger als 9700 ± 1300 Jahren im Oman als Meteorit auf die Erde. Durch die Reibung des vermutlich kantigen Gesteinsbrocken in der Erdatmosphäre wurde der äussere Teil des Gesteins kontinuierleich aufgeschmolzen und ging als Schmelztröpfchen verloren. Erst dadurch erhielt er seine ovale Meteoritenform. Der Meteorit mit dem Namen Sau 169 hat also mindestens fünf verschiedene Meteoriten Einschläge (der Aufprall auf der Erde miteingeschlossen) während der letzten 4 Milliarden Jahren erlebt, vom Imbrium Impakt bis zu seinem Aufprall auf der Erde.

Voruntersuchungen
Analytik
Geschichte
Bedeutung
 
 
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